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"Es Gibt Kein Rezept", von Sebastian Bieniek, 2010

Meine Arbeit ist für mich eine Instinktsache wie z. B. das Kochen. Alles was ich koche ist meistens so, dass ich es nicht wieder kochen kann. Es gibt kein Rezept und auch keine bestimmten Zutaten. Aus dem was es gibt bediene ich mich und versuche das möglichst Beste zu erreichen.

ch arbeite in Serien, weil ich eine Entwicklung sehen möchte. Vielleicht weil ich mich selbst innerhalb eines Rahmens weiterentwickeln möchte einerseits und andererseits eine Perspektive haben möchte und dazu gehört auch ein absehbares Ende und die Möglichkeit einer Veränderung, wenn es so weit ist.

Um aus dem Einen das Andere ableiten zu können brauche ich immer mehrere Versuche - ich muss mich auch irren könne um meine Fehler zu korrigieren und daraus zu lernen. Alleine schon deshalb besteht für mich die Notwendigkeit der Arbeit in Serie. Und irgendwann ist da auch dieser Moment ab dem es nicht mehr besser wird. Das ist dann der Moment an dem ich etwas ganz anderes machen muss.

Eine Serie ist wie eine Geschichte. Sie hat einen Anfang und ein Ende und dazwischen gibt es Raum um die jeweiligen Grenzen zu erproben und auszuloten.

Die Bestandteile einer Serie sind wie Schritte, die gemeinsam einen Weg beschreiben, den ich für eine bestimmte Zeit mit meiner Arbeit begangen habe. Ich kann innerhalb dieses Weges mich umsehen und ihn immer wieder rekonstruieren. Dadurch bekommt der Weg selbst eine Berechtigung innerhalb deren mehrere Positionen möglich sind. Er verhält sich dabei wie eine Wohnung mit mehreren Zimmern. Sie bietet genug Räume damit sich mehrere dort aufhalten können ohne einander auf die Füße zu treten. Zusätzlich kann jedes Bild aus einer Reihe durch ein anderes aus der selben Serie überprüft werden. Wenn jemandem ein Bild innerhalb einer Serie nicht ganz klar ist, dann wird es sehr oft durch ein anderes aus der selben Serie klarer, weil die Intention innerhalb einer Serie stets die selbe ist. Das hilft insbesondere beim Zugang zu Arbeiten die ambivalent erscheinen und es hilft mir zu verstehen was ich meine, weil ich mir immer hinterher Gedanken darüber, was ich damit sagen wollte, mache. Das ist notwendig, weil ich während des Schaffens frei sein muss. Ganz frei, ohne der Barrieren, die einem sonst der Verstand in den Weg stellen würde.

Die Serien, die ich male unterscheiden sich formell voneinander. Für mich ist das eine Notwendigkeit. Ich kann nicht immer das selbe malen oder tun. Meine Serien sehen immer ganz anders aus als die anderen, die ich gemalt habe. Davon abgesehen schreibe ich auch, mache Filme und Performances. Würde ich immer nur das selbe malen, wäre es als würde ich immer nur die selbe Zutat in die Suppe rein machen. Gerade das versuche ich zu verhindern und dem entgegen zu steuern. Alle Arbeiten insgesamt sind schon eine Komposition, allerdings eine die aus ganz verschiedenen Zutaten besteht (wie Salz, Pfeffer, Zucker, Öl… beim Kochen) und die insgesamt einen für mich ausgewogenen Geschmack ergibt. Ich könnte kein Gericht essen, dass nur z. B. nur aus Salz besteht. Genau das tun aber die Künstler, die immer das selbe tun.

Meine Arbeit wird von allem durch das was ich sehe, erlebe, woran ich teilhabe, kurzum mein Leben inspiriert. Oft sind es die Menschen um mich herum, manchmal aber auch meine eigenen Arbeiten. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Arbeiten und sehr oft habe ich das Gefühl, dass mich die eine Arbeit dazu zwingt eine andere zu machen, so wie ein bestimmter Ton in der Musik einen bestimmten anderen erzwingt.

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© Sebastian Bieniek