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ARTCOREPHOTO KÜNSTLERPORTRAITS: SEBASTIAN BIENIEK (B1EN1EK) BERLIN

Serientäter mit allen Mitteln.

Dass sich Künstler an ihren Themen in Serien abarbeiten ist nichts Ungewöhnliches, eher die Regel. Der in Berlin lebende Künstler SEBASTIAN BIENIEK treibt es hiermit jedoch viel weiter als die meisten seiner Kollegen. Seine Foto- und Gemäldeserien haben so phantasievolle Namen wie DOUBLEFACED, TWO-FACED, DUPLICATO, COUPLEATION, MAN ON CANVAS, ME & MY FRIENDS. Im wahrsten Wortsinne dieser Kunstnamen ist bereits die Wahl seiner Seriennamen doppelsinnig. Die Arbeiten und Serien von Bieniek sind es auch. Es geht um Dinge wie multiple und wechselnde Identitäten oder um die Vermischung und Austauschbarkeit von Realität und Täuschung. Für letzteres Phänomen wiederum hat er bereits 2011 den Kunstnamen REALFAKE erfunden und so sein “autobiographisch-episodisches Sachbuch” benannt. Noch lange bevor der Begriff des Postfaktischen ins kollektive Repertoire Einzug gehalten hat.

Schrittweise Annäherung empfohlen

Natürlich kann man sich einfach nur unterhalten lassen von Bienieks mitunter augenzwinkernd humorvollen bis brüllend komischen Arbeiten. Unternimmt man jedoch den ernsthaften Versuch, tiefer in seine künstlerische Position und Intentionen einzutauchen, so kann man sich schon verlieren in seinem Werk. Er selbst hat manchmal diese Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden und den Überblick zu bewahren. Seine Internetseite B1EN1EK.DE modelt er gerade wieder einmal um. Das dient der Sache des grossen Ganzen, Verbindungen werden sichtbarer, Aussagen nachvollziehbarer.

Am besten nähert man sich seinem Werk wohl weniger chronologisch, als vielleicht viel besser ausgehend von einer seiner bekanntesten Fotoserien: Doublefaced, entstanden in den Jahren 2013 und 2015. Die Serie ging in kürzester Zeit auf denglisch gesagt “viral”. Mit ihr wurde er im medialen Dorf rund um den Globus bekannt. Die Serie wurde global auf allen medialen Kanälen geteilt, in Publikationen besprochen und von anderen Künstlern referenziert, um nicht zu sagen kopiert. Zeitweise erwägte er daher sogar, die Herausforderung zu Stellungnahmen dieser Personen zu ihren Urheberrechtsverletzungen – wegen Nichtnennung seines Namens – selbst zum performativen Kunstwerk zu machen. Allein die Zeit war Sebastian Bieniek zu schade, um Rechtsstreite wegen dieser Urheberrechtsverletzungen gegen den amerikanischen Popsänger Pharell Williams oder den französischen Modemacher Jaquemus anzustrengen.

 

Hat man erst einmal einen Anfang gefunden, sich im Bieniekschen Universum umzusehen und versucht sich zurecht zu finden, dann erkennt man auch bald die großen Linien seiner Themen. Über die roten Fäden, die sein Werk durchziehen kann man nach und nach Fährte durch ein spannendes Labyrinth aufnehmen, welches an jeder Ecke mit einer neuen Überraschung aufwartet. Wenn auch seine in den Jahren 2013 + 2015 entstandene Doublefaced Serie am Ende ganze 100 Fotografien umfasste, so zeigt jede einzelne der Arbeiten eigene überraschende Aspekte. 100 Variationen, alle mit grosser Raffinesse inszeniert und jede mit ihrer individuellen ikonographischen Bildkraft.

Verbindungen zwischen Fotografie und Malerei

Sebastian Bieniek wäre nicht der Künstler, der er ist, würde er sich auf die Fotografie beschränken. Im Fach Fotografie hat er zwar seinen Abschluss an der Berliner Universität der Künste gemacht, aber da steckt neben dem Fotografen vor allem auch noch der bildende Künstler und Maler in seiner Seele. Zum Malen kommt er immer wieder zurück. Zum Glück – für die Kunstwelt – muss er nicht wählen, kann seine Entscheidungen für das eine oder andere jeden Tag neu definieren. Aber müsste er wählen, dann würde er sich vermutlich auf das Malen fokussieren. In seiner Gemäldeserie Two-Faced nimmt er denn auch die Fäden der verschiedenen Fotoserien auf. Oder umgekehrt, die Fotoserien die Fäden von seinen Gemälden zum Beispiel zum Thema Identität. Die Richtung der Befruchtung ist in einem solchen Gesamtkunstwerk nicht mehr so wichtig. In seiner Performance “How to Hatch a Painting” von 2012 thematisiert er selbst die Frage des “Zuersten” im Sinne von der Henne oder dem Ei.

Von DIRK B. SCHMITZ, HAMBURG 2017

 

Link zum Originaltext auf der Artcorephoto Webseite

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