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Pasquale Ferrulli über Sebastian Bieniek, 1999

Die Tatsache, daß einige der grundlegenden Arbeitsmaterialen von Sebastian Bieniek (Fleisch, Blut) leichten Anlaß zu extremen Reaktionen geben, darf nicht zu dem Gedanken verleiten, dass Provokation die einfache Vorstellung wäre, die bestimmte Vorschläge einschließt.

Sebastian Bieniek ist ein gesellschaftsbewusster, nachdenklicher Künstler; die drängenden Fragestellung, die Notwendigkeit Antworten einzufordern, gebärt die fulminante Form: seine Arbeiten sind die Fleischwerdung von einzelnen, unbequemen Gedanken, die ihm durch die Beobachtung des Alltäglichen, durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte, dem natürlichen Philosophieren der Menschen, kommen.

SB bewegt sich in der Kategorie des "Ethischen", nachdem die Kategorien des "Schönen" des "Erhabenen" und "Neuen" überschritten sind. Dabei ist es ihm unumgänglich, sich wie eine Straßenwalze fortzubewegen: die ungehörige Reaktion auf einige seiner Arbeiten demaskiert die Heuchelei des Beobachters, die Unzulänglichkeit des Vergleichs.

Andererseits ist SB ein zu intelligenter Künstler, um nicht in sich selbst das Gegenmittel zu so viel dringlicher Klarheit zu suchen. Diese Seite seines Schaffens, die ich gerne als "pflanzlich" definiere sowohl für das häufige Verwenden des Baumes als Symbol, als auch für sein langsames, strukturiertes, organisches und freundliches Wachsen.

Dem neugierigen und forschenden Versuch von SB kommt der Verdienst zu, die generationstypische Selbstgefälligkeit von allzu vielen jungen zeitgenössischen KünstlerInnen zu vermeiden und von Anfang an die direkte Auseinandersetzung auf dem Gebiet des Universellen anzunehmen. 
 

Pasquale Ferrulli / ARS, exibart.com (1999)
(aus dem italienischen von Frank Miesel).

 

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© Sebastian Bieniek