Sebastian Bieniek (Vita, Langversion)

Sebastian Bieniek (geb. 24. April 1975 in Czarnowanz, Oberschlesien, Polen) ist ein deutscher Konzeptkünstler, Fotograf, Maler, Performance-Künstler, Autor und Regisseur.

Leben und Ausbildung

Bieniek wuchs bis zum 14. Lebensjahr in Kupp, einem Dorf in Oberschlesien auf. 1989 kam er als Spätaussiedler in die Bundesrepublik, wo er die folgenden Jahre in Unterlüß, einem Dorf in Niedersachsen verbrachte.

1996 zog er nach Braunschweig, wo er an der dortigen HbK bei der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramović und dem Schweizer Konzeptkünstler John M. Armleder Freie Kunst studierte. Nachdem er 1998 das Vordiplom erhalten hatte, wechselte er an die UdK Berlin, wo er in der Klasse der deutschen Fotokünstlerin Katharina Sieverding sein Kunststudium fortsetzte.

2001 erhielt Bieniek ein
Aufenthaltsstipendium des DFJW in Rennes (Frankreich), wo er ein halbes Jahr lebte, und sich mit einer Installation vor dem Gefängnis in Rennes und dem Gefängnis in Celle an der von Bettina Klein kuratierten Aux voyageurs-Ausstellung beteiligte. Im selben Jahr war Bieniek Absolvent der UdK Berlin und ein Jahr später Meisterschüler derselben. Sein bei der Meisterschüler-Ausstellung gezeigter erster Kurzfilm Zero wurde 2002 auch auf dem Filmfest München in der Kategorie Surreale Kurzfilme gezeigt.

2002, im selben Jahr, in dem Bieniek die UdK verließ, begann er Filmregie an der DFFB zu studieren, wo er im Folgenden Regie bei mehreren Filmen führte. Sein 2007 dort entstandene Spielfilm Die Spieler war Teil des Internationalen Wettbewerbs des 10. Internationalen Filmfestivals Shanghai. Sein das Jahr darauf entstandener Kurzfilm Silvester Home Run war Teil des Internationalen Kurzfilm-Wettbewerbs des Festival Internacional de Cine de Mar del Plata und ist mit dem Prädikat „Wertvoll“ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden ausgezeichnet worden.

Sebastian Bieniek, 2007, während der Pressekonferenz auf dem 10. Internationalen Film Festival in Shanghai.

2011 schrieb Sebastian Bieniek das Buch Realfake.

Sebastian Bienieks Realfake ist eine fantastische  und  unterhaltsame  Reise durch die Gedankenwelt eines Künstlers, der imSocial Networking  zunächst  Chancen  auf  bessere  Selbstvermarktung  erblickte  und  in  der  Reflexion  seiner  Handlungenschließlich sein Weltbild herausfilterte, das stellenweise auch zur schonungslosen Kapitalismuskritik gerät.

Klaus-Dieter Knoll, 05.09.2010

320 Seiten, Taschenbuch
22,50 €, ISBN:  978-3-942835-35-0
Erhältlich bei Amazon

I. Künstlerisches Schaffen 1994-2002

1994-1998, Celle/Braunschweig:

(Teil 1, Malerei und Zeichnung)


Bienieks erste Arbeiten waren Gemälde und Zeichnungen.

1994 wurde Bieniek als jüngstes Mitglied in den BBK Niedersachsen (Bund Bildender Künstler, Verband Celle) aufgenommen und nahm im Züge dessen an mehreren Ausstellungen Teil. Darunter in der BBK Galerie Oldenburg und in der Gothischen Halle des Celler Schlosses.

 

Die 1994 bis 1996 entstandenen figürlichen Gemälde wurden mit dem Pseudonym Silo Bocky signiert und wurden im Jahr 1999 nahezu ausschließlich vernichtet bzw. übermalt.

Mit dem Beginn des Kunststudiums in der HbK Braunschweig 1996 malte Bieniek abstrakt und versuchte sich, beeinflusst von seinen Lehrern John M. Armleder, Marina Abramovic und Thomas Virnich, in Konzeptkunst, Performance und Skulptur.

1998-2001, Berlin:
(Teil 2, Performances und Aktionen)

Seit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 1998 wandelten sich Bienieks Arbeiten von der Malerei ab hin zu radikalen Performances und Aktionen. So überfiel er z. B. 1998 im Zuge einer Kunstaktion ("Banküberfall") die Deutsche Bank, ließ sich 1999 ("Hand Without a Body") während einer Ausstellung sechzehn Tage lang täglich eine „V-förmige“ Wunde am Arm zufügen, lag ("Born to be Boulette") unbekleidet drei Tage lang in einer halben Tonne rohem Hackfleisch und ließ sich während einer Aktion ("In Front of the Distance") regelrecht ausbluten. Dies waren seine erste Arbeiten, die in den Medien auch international Erwähnung fanden.

Fotogalerie oben:
Fotos entstanden während der Aktion "BANKÜBERFALL", 1998 Aktion in der Deutschen Bank, Friedrichstr., Berlin.
Mit einem Stück Holz bewaffnet und einer Freddy Krueger Maske übergezogen überfiel 1998 Sebastian Bieniek die Deutsche Bank in der Friedrichstraße in Berlin (Video).

Fotogalerie oben: Sebastian Bieniek, 1999 während der Performance „Born To Be Boulette“ im Kunsthaus Tacheles, in der er drei Tage lang unbekleidet in 500 kg Hackfleisch lag.

Fotogalerie oben: "III Festival der jungen experimentellen Kunst", Berlin.
Sebastian Bieniek bei der Performance "Hand without a Body", 1999. Während der sechzähntägigen Ausstellung fügte sich Sebastian Bieniek jeden Tag eine "V-förmige" Wunde in den Arm zu (Video).

Sebastian Bieniek, "In Front of the Distance", 1999. Sophiensäle, Berlin.

Während der "In Front of the Distance" Performance ließ sich Bieniek regelrecht ausbluten, indem er entlang seines Weges auf ein Stück Stoff sein Blut auslaufen über eine Kanüle auslaufen ließ.

1998-2001, Berlin/Rennes:
(Teil 3, Konzeptkunst/Installation/Textarbeiten)

Gleichzeitig arbeitete Bieniek auch von Anfang an sehr minimalistisch konzeptuell. So blies er z. B. 1998 fünftausend weiße Luftballons auf und stellte diese im Museum der Charte unter dem Titel "Hier ruht mein Atem" als „sein Atem“ aus. Ähnlich wie bei seinen späteren (Text-) Arbeiten, spielte hier der Texttitel der Arbeit eine wichtige Rolle. Dieser wurde explizit in die Mitte der Ballon-Installation auf einem schwarzen Brett mit weißen Buchstaben reingesetzt. Ähnlich verhielt es sich mit der 1998 entstandenen Installation "Ich bin kein Nazi" bei der er um den Großen Stern herum in Berlin alle Wahlplakte mit einem Adolf Hilter Foto auf dem stand "Ich bin kein Nazi" überplakatierte und auch in dem ein Jahr später entstandenem Video "Crying for this Video" in dem zwei Schauspieler auf der Stirn den Titel aufgeklebt bekamen und dazu weinen sollten.

1999 stahlt Bieniek die Überreste des "Cube without a Corner" von Sol LeWitt die in den Kunst Werken (KW) ausgestellt waren und verkaufte sie unter dem Titel "Recycled Sol LeWitt" für 5€ das Stück während des UdK Rundgangs.

In der 2000 entstandenen Arbeit "Die Welt ist schlecht", stellte er jeweils vor dem Gefängnis in Rennes und dem in Celle eine 6000 cm. breite Plakatwand auf, die den kurzesten Weg ins jeweils andere Gefängnis beschrieb.

Im gleichen Jahr stellte er in dem Bahnhof in Braunschweig eine Vitrine mit einem 100 DM Schein aus, in der nachdem der Schein gestohlen wurde, der eingravierte Titel der Arbeit zum Vorschein trat, "Die gestohlenen 100 DM".

Ein Jahr später entstanden die "Drei Textarbeiten" in den erneut "Text" als Medium für die künstlerische Aussage diente.

Daneben thematisierte er öfter die Zeit in seiner Arbeit. 1999 zeichnete er jeden Tag eine Zeichnung die aus Hunderten von ganz eng parallel gezogenen Kugelschreiber strichen bestand, die insgesamt einen Kreis ergaben und die in der Summe eine Drehung des Kreises ergaben (würde man die Zeichnungen übereinander legen und wie ein Film abspielen, dann würde sich der Kreis ganz langsam drehen). Die Arbeit trug den dazu passenden Titel: "Die Zeichnung die sich dreht" und bestand am Jahresende aus einer Kiste mit 360 Zeichnungen.

In der im gleichen Jahr entstandenen Arbeit "Holzreihe" stemmte er aus einem Balken nacheinander jeden einzelnen Jahresring des darin enthaltenen Baumens aus und stellte diese nebeneinander auf und in der "Farbreihe" (ebenfalls 1999) ließ er einen Eimer weißer Farbe vertrocknen, indem er die jeweils trockene Farbschicht abtrug und auf ein Glas legte.

Beide Arbeiten wurden Im Jahr 2002 vom Künstler vernichtet, ähnlich wie 1999 der grösste Teil der bis dahin geschaffenen Gemälde im Jahr 1999 von ihm verbrannt wurde. Drei der verbrannten Gemälde sind in Form von Asche zu "Phoenix Paintings", auf denen nur die Asche und der ehemalige Gemälde-Titel zu sehen ist, recycled worden.

Mit den konzeptuellen Arbeiten kommt ein Merkmal in Bienieks Arbeit dazu der später immer wieder auftaucht, nämlich die Ironie und der Witz, der sich später durch seine Arbeiten durchziehen wird.

 

Fotogalerie oben: "HIER RUHT MEIN ATEM", 1998.
Installation. 5000 weiße Luftballons. Auf jedem der Ballons schrieb S.Bieniek, die Sek., Min., Stunde und Datum auf, zu dem er aufgeblasen wurde. Ausgestellt im Museum der Charitè, Berlin (Video)

Fotogalerie oben: "Ich bin Kein Nazi", Aktion/Installation. 1998, Großer Stern, Berlin.
Um seine Kritik an dem Wahlkampf 1998 auszudrucken - insbesondere daran dass Fakten derart verunstaltet wurden, dass sie einer Lüge gleichkamem - überlegt sich Bieniek das noch weiter zu treiben indem er die Wahlplakate mit einem Adolf-Hitler-Foto unter dem "Ich bin kein Nazi" stand überklebte.
Das alles auf neun Wahlplakaten um den Kreisverkehr am Große Stern, einem der Verkehrsreichsten Punkte Berlins.
Die Aktion löste im Folgenden einen Großeinsatz der Polizei aus.

Foto oben: Polizeigroßeinsatz nach "Ich bin kein Nazi" Aktion von Sebastian Bieniek. Berlin, Großer Stern, 1998

Video unten: "Crying for this Video", S-VHS Video. Sebastian Bieniek, 1998. Darsteller: Martin Hagenguth und Miriam Kurth.

Fotogalerie unten: "RECYCLED SOL LEWITT", 1999.
Aktion die zur Rettung des "Cube Withaout A Corner" von Sol LeWitt führte. KW, Berlin.

Im Oktober 1999 stellte Sol LeWitt den "Cube Without A Corner" in den Kunstwerken (KW) in Berlin aus. Sebastian Bieniek, der die Vernissage besuchte fragte sich, was mit der Skulptur nach der Ausstellung gemacht wird.

Als die Ausstellung vorbei war, machte er auf dem Weg in sein Atelier einen Schlenker an den Kunstwerken vorbei und konnte seinen Augen nicht glauben. Arbeiter machten sich gerade daran den "Cube Without A Corner" in den Müll zu entsorgen! Ohne viel nachzudenken störmte Sebastian Bieniek in die Ausstellungshalle, hinderte die Arbeiter daran weiter das Kunstwerk in den Müll zu befördern und nahme so viel er konnte von dem Kunstwerk mit und rettete es dadurch vor der Zerstörung. Anließend recycelte er das Kunstwerk und verarbeitete es zu einem Multiple, dem "Recycled Sol LeWitt".

"Recycled Sol LeWitt" weiterhin als Multiple erhältlich auf amazon.

Auflage 1000 Stück. Preis: 99,90 € plus Versandkosten.

 

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Artikel in der Celleschen Zeitung über die "Die Welt ist schlecht" Installation von Sebastian Bieniek vor dem Gefängnis in Celle, Dez. 2000.

Die Welt ist schlecht/Le monde et cruel" (2000)

(Text von Bettina Klein, der Kuratorin der Ausstellung)
 

Eine der Schlüsselszenen vieler Krimis -oder existiert sogar ein eigenes Genre des "Gefängnisfilms"?- spielt am Eingangstor eines Gefängnisses. Manchmal bildet dieser Ort die Klammer der gesamten Erzählung. In jedem Fall ist es ein hochgradig emotional aufgeladener Ort, schicksalsträchtig, der Ort an dem, beim Heraustreten aus dem Tor, alle Perspektiven offenstehen, die Möglichkeit eines neuen Anfangs, nach Jahren zwangsläufiger Zurückgezogenheit.

Soweit das filmische Ideal, eine Idee die Sebastian Bieniek mit seiner Arbeit "Le monde est cruel / Die Welt ist schlecht" in Form eines idealtypischen Landschaftspanora- mas aus computerbearbeiteten Kalenderfotos aufgreift. An den Eingängen der Prison des Femmes in Rennes und der JVA Celle, beide architektonisch sehr ähnlich und in unmittelbarer Nähe der örtlichen Hauptbahnhöfe gelegen, eine Stadt in der Stadt, hat er jeweils ein über sieben Meter langes Plakat angebracht.

Eine Reise wird beworben, per Zug, da so naheliegend, selbst die Abfahrzeiten sind indiziert und Fotografien der Umsteigestationen, klaustrophobe kleine Welten mit den Zugtürfenstern als Passpartout, belegen die reale Möglichkeit dieser Reise.
Allerdings ist das Ziel der Reise keineswegs die auf dem Plakat versprochene blühende Landschaft, sondern, von Celle aus gesehen, das Frauengefängnis von Rennes, von Rennes aus die JVA Celle. Von den vielen möglichen Reiseeindrücken werden auf dem Plakat nur winzige Ausschnitte gezeigt, dem Blick aus dem Gefängnisfenster nicht unähnlich. Und auch der auf die Minute determinierte Fahrplan erinnert eher an den reglementierten Tagesablauf im Gefängnis, als daß er die große Freiheit evozierte.
Also eine zynische Endlosschleife, ein fiktiver Fluchtweg, maktiert durch die international verwendeten Fluchtzeichen- Män- nchen, der keine Möglichkeit bietet, das System zu verlassen, denn, so Bieniek, "Die Welt ist schlecht / Le monde est cruel" und eine Ahnung von Freiheit kann letztlich nur in der Projektion gefunden werden.

-definierter eroberter Raum, kartographierte Welt, "shrinking of the planet" (Rice, S.193)

Wie schon in einigen früheren Arbeiten, teilt Bieniek die gelebte oder auch nur die imaginierte Zeit in meßbare Einheiten, versucht sie sichtbar zu machen, indem er ein System anlegt. So zum Beispiel als er im Museum der Charité in Berlin zwei Tage und Nächte damit verbrachte, Ballons aufzublasen und jeweils Minute und Sekunde daruaf verzeichnete oder als er während  einer Gruppenausstellung täglich ab 14h in einer Holzsäule mit Aussparung für seinen Arm stand, nach zwei Stunden einen Schnitt vornehmen ließ und dann weitere zwei Stunden darin verhaarte.
Hierbei handelt es sich keinesfalls um eine verspätete Form von Wiener Aktionismus, sondern es ist eine Versuchsanordnung, das nüchterne Experimentieren mit den Grenzen des Körperlichen.

Bieniek verbindet in seiner aktuellen Arbeit zwei Orte miteinander, die eine zufällige Gemeinsamkeit haben. Die Wahl der Orte könnte auch ganz anders ausgefallen sein, weniger pathetisch, denn die Verbindung auf die er sich bezieht, das Streckennetz der europäischen Eisenbahnen, könnte für jedes beliebige Ortspaar geltend gemacht werden.
Wie in den früheren Arbeiten ist das Pathos der Ortswahl, der Inszinierung nur scheinbar vordergründig. Bieniek spielt mit der Idee von Pathos, negiert es aber zugleich durch den streng abgesteckten Rahmen in dem seine Arbeiten sich abspielen.
Letztlich geht es immer wieder um die Differezn zwischen konzeptueller und gelebter Erfahrung.

 

von Bettina Klein (2001, Kuratorin)
(aus dem Katalog von "Passagen/ Aux voyageurs")
Sebastian Bieniek, "Die Welt ist schlecht" (2000), Plakatwand vor dem Gefängnis in Celle.

Fotogalerie unten: "DIE GESTOHLENEN 100 DM", 2000Skulptur/Aktion. Bahnhof in Braunschweig.

Für die Ausstellung "Transfer" auf dem Bahnhof in Braunschweig statt gefunden hatte, baute Sebastian Bieniek eine Vitrine. In diese Vitrine legte er einen 100 DM Schein. Die Plexiglashaube der Vitrine war nicht festgemacht.

Nach einigen Stunden ist der 100 DM Schein verschwunden und ein Schild welches dadrunter lag trat zum Vorschein. Auf dem Schild stand: "Die Gestohlenen 100 DM, Sebastian Bieniek 2000". Damit - mit Hilfe eines Unbekannten Bahnhofsbesuchers - war die Arbeit vollendet.

Fotogalerie unten: "DREI TEXTARBEITEN", 2001.

Print hinter Plexiglas, 150cm x 116cm. Zwei der Arbeien wurden 2005 zertört. Die "TEN LETTERS"-Arbeit befindet sich im Besitz des Künstlers. Im Jahr 2016 ist eine Neufertigung der zwei ürigen Arbeiten geplant.

Fotogalerie unten: "Die Zeichnung die sich dreht", 1999. Beispiele von einigen der 360 Zeichnungen, die Sebastian Bieniek im Jahr 1999 jeden Tag machte. Die Zeichnungen bestehen aus einem Kreis der sich aus ganz dünnen Linien zusammesetzt, die mit einem Kugelschreiber gezeichnenten wurden. Würde man die Zeichnungen übereinander legen würde sich der Kreis drehen. Deshalb der Name.

Die Arbeit hat einen meditativen Charachter. Bieniek ging es dabei nicht darum etwas schönes oder bedeutendes zu zeichnen sondern um eine Kontinuität die aufeinander baut und sich weiterentwickelt, ähnlich der Schritte die man entlang eines festgelegten Weges beschreitet. Aus diesem Grund kann die Arbeit als ein Vorläfer der Serien gelten in denen Bieniek später arbeiten wird.

Foto unten: Kiste mit 360 Zeichnung aus der Serie "Die Zeichnung die sich dreht", 1999.

Natürlich kann man "Die Zeichnung die sich dreht" auch unter dem Aspekt der Zeit als Thema betrachten und sie neben weiteren Arbeiten wie "Hier ruht mein Atem" (Installation, 1998), "Hand without a Body" (Performance, 1999), "A brief Story of Time" (Textbilder, 2001) einreihen. Dafür spricht auch die Tatsache dass die folgenden drei Skulpturen ( 1999) sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen indem sie dieses - jede auf sein Art - geradezu visualisieren. Gleichzeitig tritt aber wieder - und das soger im Arbeitstitel - das Wort Reihe (Serie) auf und spielt durchaus auf die Zeit an, so wie z. B. bewegte Bilder im Film einerseits eine Serie sind und andererseits die Visualisierung der Zeit.

Siehe dazu:

Fotogalerie unten: "Holzreihe" (1999), Farbreihe (1999), Skulpturen (Beide 2001 vernichtet).

Und schließlich die Phoenix Paintings mit denen Bieniek 1999 sein Malerdarsein vorerst beendet hatte, indem er die bis dahin gemalten Gemälde verbrannte und aus der Asche von drei davon Bilder anfertigte.

Fotogalerie unten: Sebastian Bieniek, "Phoenix Paintings" (1999) und Dokumentation der Bilderverbrennung, die auf dem Freifläche hinter dem Kunsthaus Tacheles (Berlin) stattgefunden hatte.

2009-2013, Berlin:
(Teil 4, narrative und konzeptuelle Malerei)

2002 begann Sebastian Bieniek ein Regiestudium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin und hängte die Kunst erst einmal endgültig an den Nagel.

Erst 2009, inspiriert von seinem 2006 geborenen Sohn Bela begann er wieder zu malen.

Der 2009 entstandene "Bärenreihe" lagen Begebenheiten zugrunde, die Bieniek mit seinem Sohn erlebte. Da Bela als Kind dass "R" als "L" aussprach klang für ihn Bär ähnlich wie Bela (nämlich "Bäl", wenn man das "R" durch ein "L" ersetzt). Er hielt sich also für einen Bären und umgekehrt hielt er Bären für eine Verkörperung seiner selbst. Daher war der Bär die erste der drei Figuren die in der Serie auftauchten. Die weiteren zwei waren ein Mann (das war die Rolle in der sich der Künstler selbst sah) und eine scharze Figur, die für Bieniek für einen Geist stand, der wiederum für das Vorhergegangenen/Vergangene stand. Somit hatte jede Figur eine Zeit zu vertreten. Der Geist das Vergangene, der Mann die Gegenwart und der kleine Bär die Zukunft. Hinzu kam dass Bieniek wie später z. B. bei den Gemälden "Baselitz Top" und "Baselitz Flop" die herkömmlichen Rollen umdrehte. So übernimmt auf einigen Gemälden der Bär die Führung bzw. führt der Künstler die Führung der männlichen Figur ad absurdum womit er nicht zuletzt die (kindlichen) Naivität als etwas der Erwachsenenwelt überlegenes darstellt. Er selbst sagt dazu: "Ich war beeindruckt davon dass manche Fragen, die mir mein Sohn gestellt hatte bereits schon in der Fragestellung das was ich bis dahin als normal hielt als unsinnig überführten. Ich glaube dass ich in dieser Zeit und von meinem Sohn mehr gelernt habe, als mir je ein Erwachsener beigebracht hatte. Ich weiß dass es eigentlich umgekehrt sein sollte, aber es war schon mehr ein gegenseitiges als ein einseitiges Lernen".

Sebastian Bieniek mit seinem Sohn Bela 2009, zu der Zeit als die "Bärenreihe" entstanden ist.

Fotos unten: Beispiele von Gemälden aus der "Bärenreihe" (2009)

Fotogalerie unten: weitere Arbeiten aus dem Jahr 2010 die sich mit dem Thema der Ironie und der Rollenverschiebung beschäftigen.

Fotogalerie unten: Gemälde aus der Serie "Some Times" (2010).

Toasted

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